Katharina Bohny

Kabale und Liebe

«Dem Talman Ensemble aus Überstorf ist eine frische Inszenierung von Schillers «Kabale und Liebe» gelungen. Welch ein Auftritt des Bösen! Der rote Vorhang vor der Bühne des Equilibre hat sich geschlossen, aus den Lautsprechern erklingt wuchtig die Moritat von Mackie Messer aus der Dreigroschen­oper, die Zuschauerinnen und Zuschauer harren der Dinge, die da kommen sollen, Blicke schweifen suchend durch den Saal – und dann endlich tauchen sie auf, mitten in den Reihen des Publikums: der herrschsüchtige und bösartige Präsident von Walter (Niklaus Talman) und dessen unterwürfiger und nicht minder böse Sekretär Wurm (Luc Spori).
Damit waren die Eckpfeiler dieser Inszenierung von Schillers «Kabale und Liebe» gesetzt, mit der das Talman Ensemble aus Überstorf am Freitag Premiere feierte: Natürlich ging es um die tragische Liebe zwischen des Präsidenten Sohn Ferdinand und der Musikertochter Luise. Es ging aber auch um die genüsslich inszenierte Konfrontation von Gut und Böse, um Kritik an selbstsüchtigen Mächtigen und darum, zu zeigen, dass diese Themen heute noch genauso aktuell sind wie zu Schillers Zeiten.
Die schwierige Balance zwischen Klassik und Moderne meisterte das sechsköpfige Ensemble geschickt. Moderne Elemente, wie sie im verspielten Bühnenbild vorkamen, in der Musikwahl oder bei den Kostümen (auf die Spitze getrieben beim theatralisch-weibisch interpretierten Hofmarschall von Kalb im mintgrünen Dreiteiler, mit Handtäschchen und weissem Hütchen auf den falschen Locken) mögen einen Teil des Publikums irritiert ­haben, kamen aber bei den vielen jungen Zuschauern sichtlich gut an.» (Freiburger Nachrichten, 26. Nov. 2012)