Katharina Bohny

Gretchen 89ff.

Auf S.89ff. der Reclam-Ausgabe von Goethes „Faust“ findet sich die berühmte Szene, in der Gretchen das von Mephisto und Faust zuvor in ihrem Zimmer versteckte Schmuckkästchen findet. Gretchen wird durch diesen Fund in einen erotisierten Zustand versetzt, der sie selbst völlig überrascht. Diese berühmte Kästchenszene aus Goethes „Faust“ wird in 11 Varianten geprobt und gespielt.

Unterschiedliche Regisseur-Typen (Der alte Haudegen, der Schmerzensmann, der Freudianer, der Minimalist etc.) treffen auf unterschiedliche Gretchendarstellerinnen (die Anfängerin, die Schauspielerin an sich, die Diva etc.). Dass je nach Konstellation die Szene unterschiedlich interpretiert wird, versteht sich von selbst. Dass bisweilen jedoch aus der Interpretation fast schon ein anderes Stück wird, mag überraschen und vor allem amüsieren. Auch ohne Kenntnis des „Faust“ ist diese Inszenierung sehr vergnüglich, da weniger das Werk des großen Autors im Mittelpunkt steht als vielmehr Prototypen der Theaterwelt.

Lutz Hübner wirft einen humorvoll-satirischen Blick auf den Theaterbetrieb, der allen einen beschwingten, erhellenden und amüsanten Theaterabend garantiert.